August von Willich (1810-1878)

August von Willich wird am 19. November 1810 in Prszasnic/Neu-Ostpreußen geboren und tritt mit 11 Jahren in die Potsdamer Kadettenanstalt ein; weitere Stationen seiner frühen militärischen Karriere: mit 15 Jahren Berliner Militärakademie, mit 18 Ernennung zum Oberleutnant der preußischen Armee, mit 20 Jahren Hauptmann. 1847 nimmt er seinen Abschied aus der preußischen Armee.

Willich gehört von Anfang an dem 1847 von Marx und Engels als Zusammenschluß der dt. Handwerkergesellen-Auslandsorganisationen in London gegründeten "Bund der Kommunisten" an. Am 3. März 1848 finden wir ihn als Führer eines Aufstandes in Köln. Unmittelbar anschließend gründet er zusammen mit dem Arzt Gotschalk den Kölner Arbeiterverein als politischen Arm des Proletariats.

Willich in der Uniform der Freischärler

Möglicherweise gehen sein Engagement in der Badischen Revolution von 1848/49 auf den Einfluß Ficklers (Herausgeber der Konstanzer "Seeblätter") zurück, bei dessen Verhaftung durch Mathy, einem Mitglied des Vorparlaments und erklärten Gegners der bewaffneten Revolution, auf dem Karlsruher Bahnhof am 8.4.1848 er zugegen war. Schon kurze Zeit später stellt Hecker August Willich im Badischen Hof in Konstanz als Oberkommandierenden der "republikanischen Schilderhebung" vor, die am 13.4.1848 von Konstanz aus ihren Anfang nimmt.

Mit Hecker zusammen sperrt er nach einem abenteuerlichen Zug durch den teilweise noch verschneiten südlichen Schwarzwald am 20.4.1848 kurz hinter Kandern in Erwartung der Regierungstruppen an einer strategisch günstigen Stelle die Berghänge und die Straße. Anschließend kommt es zu der berühmten Unterredung zwischen General Heinrich v. Gagern und Hecker an der Hundstallbrücke, an der auch Willich teilnimmt.

Willich als Kommandant der "Schusterinsel" April 1848

Nach der verlorenen Schlacht auf der Scheideck flieht Willich zunächst über den Rhein nach Hüningen, von wo aus er vom 25.-27.4.1848 zusammen mit etwa 300 deutschen Handwerksgesellen aus Frankreich und der Schweiz (unter ihrem Anführer Johann Philipp Becker) eine große Sandbank am Rheinufer - die sog. "Schusterinsel" bei Weil am Rhein - besetzt. Nach Einsicht in die endgültige Niederlage der Heckerschen Unternehmung zieht sich Willich schließlich mit den sog. "Schustergesellen" wieder nach Frankreich zurück.

Im Herbst 1848 sehen wir ihn beteiligt am sog. Struve-Putsch. Offensichtlich kann er aber zusammen mit seiner "Kolonne" (ca. 1500 aus den Ortschaften des südlichen Markgräflerlandes rekrutierten Männer der Bürgerwehr) nicht mehr rechtzeitig in das Kampfgeschehen eingreifen, nachdem Struves Freischaren am 24.9.1848 in Staufen vor dem Angriff der Badischen Regierungstruppen zurückweichen mußten. Von Müllheim aus zieht Willich an der Spitze seiner Freischaren südöstlich in Richtung Schwarzwald ab, um sich im Wiesental wieder mit Struve zu verbinden. Wie es um die Disziplin dieser Truppe stand, duie in Willich immerhin einen überaus erfahrenen militärischen Führer hatte, berichtet der aus Kaiserlautern stammende Leutnant G. Thielmann in seinem "Beitrag zur zweiten badischen Schilderhebung im Jahre 1848". Disziplinlosigkeit, Feigheit - ja notwendige Bewachung, damit sie nicht davonliefen - habe die "Scharfschützen von Grenzach, Weil und Inzlingen" gekennzeichnet. Schließlich habe Willich auch noch die Unklugheit besessen, den Mutlosen unter der Truppe zu erlauben, nach Hause zu marscheiren. Nur 100 der ursprünglich über tausend Mann seien bei Willich geblieben, der Rest habe in schnellstem Lauf das Weite gesucht. Es sei Willichs Mannschaft nicht einmal möglich gewesen, die Abgezogenen vorher zu entwaffnen. Nachdem auch Struve verhaftet worden ist, erreicht Willich mit anderen Freischaren schließlich noch sicheren Schweizer Boden.

Nach der Niederlage des Struveputsches vom Herbst 1848 stellt er sich dann wieder im Rahmen der Reichsverfassungskampagne und der Badischen Mairevolution 1849 zur Verfügung, und zwar als Oberkommandierender auf pfälzischer Seite; nach dem Rheinübergang seiner Freischaren bei Knielingen am 18. Juni 1849 besetzt Willich die Stadt Karlsruhe - in seiner Begleitung erstmals bewaffnete Frauen.

 

Ende Juni/Anfang Juli 1849 bezieht er als Chef des Divisionsstabes der revolutionären Truppen das Hauptquartier im Badhotel - Zur Elisabethenquelle in Gaggenau - an seiner Seite als Adjutant Friedrich Engels. Am 12. Juli 1849 verlassen nach aussichtslosem Kampf gegen die preußische Interventionsarmee mit den Freischaren August Willichs die letzten revolutionären Truppen (abgesehen von den in der Festung Rastatt Eingeschlossenen) bei Jestetten/Hochrhein badischen Boden.

Es beginnt ein langes Exilleben: Schweiz, Paris, schließlich - zusammen mit den anderen Mitgliedern des "Bundes" - London. Dort überwirft er sich endgültig mit seinen früheren Mitstreitern Marx und Engels.

1853 wandert Willich in die USA aus; nachstehend die Eintragung in der Schiffsliste:

Später nimmt er als Offizier der Nordstaaten am amerikanischen Bürgerkrieg teil und steigt bis zum Brigadegeneral auf. Amerikanische Quellen schildern ihn als Befehlshaber u.a. bei folgenden Treffen zwischen Unionstruppen und Konföderierten: so wehrt er am 17. Dezember 1861 im Range eines Colonel des 32ten Indiana Volunteer Infantry Regiment einen Angriff der Südstaaten bei "Rowlett’s Station" ab. Wenige Monate später finden wir ihn als Anführer des gleichen deutsch-amerikanischen Regimentes (812 Mann) bei der Schlacht von Shiloh, Tennessee (6.-7.4.1862). Nach dem hier errungenen Sieg sollen die Soldaten das Arbeiter-Kampflied der 1848er Revolution, die Arbeiter-Marseillaise, angestimmt haben. Schließlich im November 1863 bereits im Range eines Generals zusammen mit anderen 48ern (Carl Schurz, Peter Joseph Osterhaus, Wladimir Kryzanowski , Friedrich Hecker, Gustav Kämmerling u.a.) in der Schlacht bei Chattanooga (23.-24.11.1863), die u.a. durch den Wagemut Willichs zu einem glänzenden Sieg für die Union wird.
  Willich stirbt am 22.01.1878 in St. Marys / Ohio.
  Peter Kunze
  Quelle: u.a. Arbeitsgemeinschaft hauptamtl. Archivare im Städtetag Baden-Württemberg: Revolution im Südwesten. Stätten der Demokratiebewegung 1848/49 in Baden-Württemberg, Karlsruhe, 1997

zurück zur Textübersicht

Titelseite