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Revolutionäre auf der Schusterinsel

Die gemischte Gesellschaft auf der Schusterinsel, die der Stadt Basel in ihrer unmittelbaren Nähe die deutsche Freischärlerei vorlebte, hat im Bild der Basler Karikaturenmaler Hieronymus Heß (1799-1850) der Nachwelt überliefert. Auch er war in jenen Tagen nach der Schusterinsel hinausgepilgert, um sich vom sicheren Ort der schweizerischen Neutralität aus das seltsame, halb unheimliche und halb lächerliche Schauspiel zu betrachten. Der deutsche Teil der Schusterinsel, den es darstellt und welcher heute vielfach überbaut ist, liegt hier noch in unberührter, ländlicher Stille da. Das Haus, das wir auf dem Bild erblicken, ist heute nicht mehr vorhanden; doch wohl vertraut ist uns der ganze Schwarzwaldhintergrund vom Blauen mit Schloß Bürgeln über Ötlingen und Tüllingen bis zu den Bergen hinter dem Wiesental. In dieser weiten, ruhigen Landschaft nehmen sich die Freischärler um so abenteuerlicher aus. Mit sicherem Blick des Künstlers hat Heß die wesentlichen Kennzeichen ihrer Erscheinung festgehalten: die wilden Bärte im Gegensatz zum ,,honetten" glattrasierten Bürger jener Zeit, der sich höchstens ein Backenbärtchen erlaubte, die mit der schwarz-rot-goldenen Feder oder Kokarde geschmückten, breitkrempigen Heckerhüte, die blaue oder graue Bluse als klassische Uniform der Revolution, die mächtigen Stiefel, die aber wie die übrigen Kleidungsstücke oft schadhaft waren, die kunterbunte Bewaffnung, vorn gewöhnlichen Knotenstock des Handwerksburschen bis zum Gewehr verschiedenster Art.

Die Hauptperson der Schar, vom Zeichner in den Mittelpunkt gestellt, der Mann mit dem ungeheuren Schleppsäbel und den zwei großen Federn auf dem Hut, kann nach den zeitgenössischen Beschreibungen kein anderer sein als der rotbärtige August Willich (1810-1878), ehemaliger königlich preußischer Artillerieleutnant; er war schon der militärische Leiter der Heckerschen Kolonne gewesen. Außer ihm und Johann Philipp Becker hatte von bekannten Persönlichkeiten der Besatzung der Schusterinsel sich noch Karl Heinzen aus Preußen angeschlossen, ein revolutionärer Literat, der lange in der Schweiz gelebt hatte und ihr immer sehr zugetan war. Hecker und Struve haben die Schusterinsel nur für kurze Zeit betreten. Hecker kam von Basel, Struve nach dem Treffen bei Günthersthal das Elsaß herauf nach Hüningen. Beide statteten von dort aus ihren Gesinnungsgenossen auf der Insel flüchtige Besuche ab, doch ohne sich in ihre Entschlüsse einzumischen; Willich führte allein den Befehl. Heß hat ihn zu einer Zeit dargestellt, da offensichtlich nicht rnehr alle seine Anhänger an ihn und an den Sieg ihrer Sache glaubten. Dem Freischärler wenigstens, der tiefsinnig ganz rechts im Vordergrund sitzt, scheint es auf der Schusterinsel nicht mehr ganz geheuer zu sein. Ihm spricht Trost und Ermutigung eine hübsche Vertreterin jener marketenderlichen Weiblichkeit zu, wie sie bei den Freischärlern überall zu finden war.

Die Zeitangaben: 26., 27. und 28. April, die Heß unter sein Bild gesetzt hat, sind insofern unrichtig, als die Besetzung der Schusterinsel einen Tag früher begann und einen früher endete: 25.-27. April. (B. Rabus)

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